Robert Schumann

„Man wird es zugeben müssen, in diesem von der Natur so stiefmütterlich behandelten Leipzig blüht die deutsche Musik, dass es sich, ohne für unbescheiden zu gelten, neben den reichsten und größten Frucht- und Blüthengärten anderer Städte sehen lassen darf. Welche Menge ausgezeichneter Kunstwerke wurde uns auch im vergangenen Winter wieder vorgeführt, wie viele bedeutende Künstler erfreuten uns mit ihrer Kunst!“

Robert Schumann verbrachte etwa sechzehn Jahre zwischen 1828 und 1844 in Leipzig. Im Herbst 1840 leitete er mit den oben zitierten Sätzen einen ausführlichen Artikel über das „Musikleben in Leipzig während des Winters 1839-40“ ein, den er in der von ihm 1834 gegründeten „Neuen Zeitschrift für Musik“ veröffentlichte.

1828 hatte er (wohl halbherzig) sein Jurastudium in Leipzig sowie (mit größtem Interesse) Klavierunterricht bei Friedrich Wieck begonnen, in dessen Haus er auch die damals neunjährige Clara kennen lernte. In den folgenden Jahren erweiterte er seine Repertoirekenntnisse („Franz Schubert und Beethoven gingen mir auf; von Bach dämmerte es“) und komponierte. 1830 entscheidet er sich für den Musikerberuf und möchte unter Friedrich Wiecks Anleitung Klaviervirtuose werden.

Friedrich Wieck an Robert Schumanns Mutter (1830) „Ich mache mich anheischig, Ihren Herrn Sohn, den Robert, bei seinem Talent und seiner Phantasie binnen 3 Jahren zu einem der größten jetzt lebenden Klavierspieler zu bilden, der geistreicher und wärmer wie Moscheles und großartiger als Hummel spielen soll.“

Er bezieht zwei Zimmer bei Friedrich Wieck in der Grimmaischen Gasse 36, nimmt kurzzeitig Theorieunterricht bei Kapellmeister Heinrich Dorn und komponiert. Eine Fingerlähmung in Folge exzessiven Übens beendet bereits 1832 seine pianistische Karriere, dafür intensiviert er seine kompositorische Tätigkeit. Zu Beginn der 1830er-Jahre werden Schumanns erste Werke gedruckt (Abegg-Variationen, Papillons, Toccata, Intermezzi, Impromptus usw.). Er komponiert den Carnaval op. 9 und die Symphonischen Etüden op. 13 (1835), Kinderszenen op. 15, Kreisleriana op. 16 und Novelletten op. 21 (1838).

Seine Freundschaft und Liebe zur jungen Pianistin Clara wird zunehmenden Belastungen ausgesetzt - Wieck verbietet seiner Tochter jeglichen Umgang mit Schumann, was sie allerdings nicht davon abhält, sich 1837 heimlich zu verloben. 1839/40 kommt es zum Prozess gegen Wieck, in dem Schumann und Clara letztendlich die gerichtliche Erlaubnis zur Eheschließung erzwingen. Am Tag vor Claras 21. Geburtstag, dem 12. September 1840, heiraten sie endlich in der Dorfkirche zu Schönefeld bei Leipzig.

1840 wird Schumanns „Liederjahr“ – er komponiert neben den großen Zyklen und Liederkreisen (nach Eichendorff, Heine, Kerner, Rückert, Chamisso u. a.) die Mehrzahl seiner Sologesänge.

1841 entsteht in der Inselstraße die Sinfonie B-Dur op. 38 ("Frühlingssinfonie"), die am 31. März 1841 im Leipziger Gewandhaus unter Mendelssohns Leitung uraufgeführt und in Folge eine seiner meistgespielten Kompositionen überhaupt wird. Ferner entstehen die 
Sinfonie d-Moll in erster Fassung
 sowie der 1. Satz des Klavierkonzerts a-Moll. Im Jahr darauf begleitet Schumann seine Frau auf eine Konzertreise nach Norddeutschland (Clara reist weiter nach Kopenhagen), im Herbst leidet er unter Nervenschwäche. In diesem 
“Kammermusikjahr“ entstehen Drei Streichquartette op. 41, das 
Klavierquintett op. 44 
sowie das Klavierquartett op. 47. 1843 wird Schumann als Lehrer an das von Mendelssohn neu gegründete Leipziger Konservatorium
berufen. Im selben Jahr versöhnt er sich mit seinem Schwiegervater Friedrich Wieck. Von Januar bis Mai 1844 unternimmt er mit Clara eine Konzertreise nach Russland, die ihn physisch und psychisch stark belastet – Ende des Jahres zieht Familie Schumann nach Dresden um.