Das Künstlerpaar

Die Verbindung zwischen Robert Schumann und Clara Wieck ist musikhistorisch ohne Parallele. Ihre vielfältigen künstlerischen Fähigkeiten und Orientierungen resultierten aber aus sehr unterschiedlichen Einflüssen. Beide wurden durch ihr Elternhaus schon früh nach Kräften gefördert. Allerdings war Clara Wieck dabei dem strengen Verfügungsanspruch ihres Vaters ausgesetzt, der ihre Entwicklung tiefgreifend beeinflusste. Robert Schumann konnte seine Neigungen freier und ohne Leistungszwang entfalten.

Viele Werke Schumanns aus den 1830er Jahren sind durch die Beziehung zu Clara geprägt. Kennen gelernt hatten sich die beiden im Haus ihres Vaters Friedrich Wieck, wo Schumann von 1830 bis 1832 lebte und Klavierunterricht nahm. Die neun Jahre jüngere Clara war zu dieser Zeit bereits fast fertig ausgebildete Pianistin und schon überregional bekannt. Ihr Debüt im Gewandhaus gab sie 1828. Von Felix Mendelssohn, der ab 1835 dort Konzertmeister war, wurde sie später häufig verpflichtet.

Claras Aufführung von drei Stücken aus Schumanns Etudes Symphoniques eröffnete die Auseinandersetzung um den Ehekonsens. Wieck fürchtete, dass Schumann – als Komponist nicht etabliert und ohne gesicherte Existenz – die Karriere seiner Tochter zerstören würde. Erst im August 1840 entschied das Leipziger Appellationsgericht zugunsten des Paares – die Hochzeit fand am 12. September in der Schönefelder Kirche statt. Wie sehr dies auch die künstlerische Arbeit beider beflügelte, verdeutlicht die Gemeinschaftskomposition der Zwölf Gedichte nach Rückerts »Liebesfrühling«, entstanden im Winter 1840/41. Drei der Gedichte vertonte Clara, und sie ist – untypisch für die Zeit – auch auf dem Titelblatt als Komponistin ausgewiesen. Generell verschaffte ihr die Ehe mit Robert Schumann neue Einblicke in das Feld des Komponierens, insbesondere den Zugang zu kontrapunktischen Techniken.

Ausgelöst durch die Uraufführung seiner „Frühlingssinfonie“ am 31. März 1841 im Gewandhaus unter der Leitung von Mendelssohn, konnte sich Schumann bald als Komponist etablieren, ferner wurde er Lehrer am Leipziger Konservatorium, das Mendelssohn 1843 gründete, und gab im selben Jahr sein Dirigentendebüt mit dem Oratorium „Das Paradies und die Peri“. Clara, zuständig für Haushalt und die Erziehung der 1841 und 1843 geborenen Töchter, musste ihre pianistische Tätigkeit zunächst einschränken. Erst die Konzertreise nach Russland im Frühjahr 1844 ließ sie endgültig an ihre früheren Erfolge anknüpfen – und durchsetzen, zukünftig wieder mehr aufzutreten. Genau zu jener Zeit hatte Robert Schumann die erste größere psychische Krise, in deren Folge das Paar im Winter 1844 nach Dresden übersiedelte.