Clara Schumann geb. Wieck

Als Clara Schumann an ihrem 21. Geburtstag, dem 13. September 1840, in der Leipziger Inselstraße 5 (heute 18) ihre erste gemeinsame Wohnung mit Robert Schumann bezog, lag hinter ihr eine glanzvolle Pianistenkarriere, aber auch ein zermürbender Prozess gegen ihren Vater Friedrich Wieck um die Eheerlaubnis.

Endlich am Ziel ihrer Wünsche - die Trauung hatte am Vortag in der Kirche Schönefeld stattgefunden, stand Clara nun vor neuen Herausforderungen. Schon 1839 hatte Robert geschrieben: „Das erste Jahr unserer Ehe sollst Du die Künstlerin vergeßen (sic), sollst nichts als Dir und Deinem Haus und Deinem Mann leben ...

Das berühmte Ehetagebuch, das ihr Robert zum 21. Geburtstag geschenkt hatte und mit dessen Führung sich die Eheleute abwechselten, diente nicht allein dazu, den Lebenslauf des Künstlerpaares sorgfältig aufzuzeichnen; es sollte auch Wünsche, Hoffnungen, Bitten, notfalls auch Vermittlung und Versöhnung aussprechen, vor allem aber vom Fortschreiten Roberts und Claras auf allen künstlerischen Gebieten berichten. So scheut sich Clara denn auch nicht, zu klagen: „Mein Clavierspiel kommt wieder ganz hintenan, was immer der Fall ist, wenn Robert componiert. Nicht ein Stündchen im ganzen Tag findet sich für mich!

Stattdessen musste sie als frisch Vermählte lernen, einen Haushalt zu führen, den Ehemann zu umsorgen und ein Gärtchen zu pflegen. Sehr bald kamen Mutterpflichten hinzu, die erste Tochter Marie wurde am 1. September 1841 geboren. Dazu wurden viele Gäste in der Inselstraße empfangen — Robert lobt Clara in ihrer neuen Rolle. Reichlich entschädigt für den Verzicht auf ihr Klavierspiel wurde Clara durch die geistigen Anregungen: Gemeinsam mit Robert studierte sie Bachs Fugenwerk, las Goethe und Shakespeare. Clara, die ihr Talent zur Komposition oft bezweifelt, wird durch Robert zu eigenem Schaffen ermutigt, und so entstehen in der Inselstraße außer den Klavierstücken op. 14 und 15 vor allem Lieder, von denen Robert drei in die gemeinsame Sammlung „12 Gedichte aus Friedrich Rückert’s Liebesfrühling“ aufnimmt.

Voller Entzücken begleitet Clara die Entstehung der „Frühlingssinfonie“ und der Kammermusikwerke, sie begeistert sich am Klavierquintett op. 44, das ihr gewidmet ist und das sie in einer „Musikalischen Morgen-Unterhaltung“ des Ehepaars Schumann am 8. Januar 1843 im Gewandhaus uraufführt.

Ab 1842 nahm Clara ihre Konzerttätigkeit in größerem Umfang wieder auf. Sie fürchtete, als Pianistin vergessen zu werden und wünschte auch, zum Familieneinkommen beizutragen. Eine größere Reise führte das Ehepaar im Frühjahr 1842 nach Norddeutschland. Da sich Robert in seiner Rolle als Reisebegleiter sehr unglücklich fühlte, reiste Clara allein weiter nach Dänemark, wo sie sehr erfolgreich war. Im Ehetagebuch schreibt Robert: “Die Trennung hat mir unsere sonderbar schwierige Stellung wieder recht fühlbar gemacht. Soll ich denn mein Talent vernachlässigen, um dir als Begleiter auf der Reise zu dienen? Und du, sollst du deshalb dein Talent ungenutzt lassen, weil ich nun einmal an Zeitung und Clavier gefesselt bin?

Im Frühjahr 1844 unternahmen die Schumanns eine viermonatige Russlandtournee, die für Clara viel Ehre und einen beachtlichen finanziellen Erfolg brachte, Robert dagegen physisch und psychisch sehr belastete. Dass er sich auch nach der Reise nicht wieder erholte, mag einer der Gründe sein, die zum Wohnungswechsel nach Dresden führten.

Das Ehetagebuch schließt mit einem sehr anschaulichen Bericht der Russlandreise, den Clara im Juni 1844 aufgrund von Roberts Notizen anfertigte. Nach einer Abschiedsmatinee am 8. Dezember 1844 im Leipziger Gewandhaus zogen Robert und Clara Schumann mit ihren Töchtern Marie und Elise nach Dresden in die Waisenhausstraße.